Neulich in der IKEA ...

Oktober 2018

Neulich in der IKEA fand ich mich das erste Mal mit einem dieser 1-Franken-Hotdogs auf dem Parkplatz wieder. Die Schweissperlen meiner Schnäppchenjagd standen mir noch immer auf der Stirn und ich schlang den Hund voller Fleischeslust herunter.

Nicht ganz sicher, ob aus Glust oder viel mehr als Folge der blau-gelben Hypnose, der ich gerade von drinnen entflohen war. Jedenfalls stand ich da mit meinem Hotdog. Mit reichlich Ketchup und Senf – schön ineinander verschnörkelt, so wie man das in den amerikanischen Filmen immer sieht. Denn das Auge isst bekanntlich mit – IKEA-Parkplatz hin oder her. Und da plötzlich, fand ich im Angesicht meines Hotdogs quasi die Versinnbildlichung unserer heutigen Gesellschaft.

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Da haben wir einerseits den uns allzu gut bekannten Massenkonsum, dem auch ich kurzzeitig verfallen war (zu meiner Verteidigung: Blau und Gelb sind Komplementärfarben und werden nicht ohne Grund bei der Hypnose eingesetzt). Nach dem Möglichst-viel-einkaufen-für-möglichst-wenig-Geld folgt also das Möglichst-viele-1-Franken-Hotdogs-für-möglichst-wenig-Geld-Reinstopfen. Die Konsequenzen für Mensch, Umwelt, Wirtschaft, Blabla müssen wir hier, glaube ich, nicht weiter ausführen.

Doch dieses Brötli mit Würstli offenbart uns bei genauerem Hinsehen noch einiges mehr.

 

Die Liaison aus weicher – fast schon lieblich unschuldiger – Hülle und des knackigen, rassigen Inhaltes als Sinnbild der heutigen Erwartungen an uns Menschen. Frau soll Mann ebenbürtig sein und Karriere machen. Zur richtigen Zeit und am richtigen Ort aber dann doch lieber ihre liebliche Seite zum Vorschein bringen (Süsser-Hundefilter-Selfie sei Dank – wobei Frau im Schlafzimmer ja dann doch nicht so unschuldig sein soll). Zu Zeiten der Gleichberechtigung soll selbstverständlich aber auch Mann seinen Emotionen freien Lauf lassen dürfen. Die starke Schulter jedoch, will Frau dann aber doch nicht missen – obwohl Frau ja aber die Schultermuskeln beim regelmässigen Gang ins Fitness bereits selber stählern trainiert.

Und zu guter Letzt. Der Hotdog als kurzfristige Lustbefriedigung. Denn: Massenkonsum macht längerfristig nicht glücklicher. Malm – der äusserst kostengünstige IKEA-Bestseller unter den Betten – nicht automatisch schönere Träume. Und das Billy-Regal auch keine Ordnung im Leben eines hoffnungslosen Chaoten.

Zuhause in meinen «eigenen» vier Wänden gegenüber «meinem» Billy-Regal sitzend (ignorieren wir die Tatsache, dass in zig Millionen anderen Zimmern auf der Welt das besagte Teil ebenfalls steht) bin ich nicht mehr ganz so sicher, ob an dieser Versinnbildlichung wirklich etwas dran ist oder ich die Suche nach dem passenden Wäschekorb mit dem Im-Hotdog-nach-dem-Sinn-des-Lebens-Suchen kurzzeitig verwechselt hatte. Aber etwas – da bin ich mir absolut sicher – kann unsere heutige Gesellschaft nur allzu gut … aus Scheisse Gold machen. Beziehungsweise: Mit Selfie-Filter, Marken und Co. zum Instagram-Star werden. Oder hier passender: Einen 1-Franken-Hotdog zum Anlass einer scharfzüngigen Kolumne nehmen, die das nächste Billy-Regal für die Studi-WG finanziert.

Hey, gib doch Kallax, Lack und Jonaxel auch mal eine Chance – drei weitere Regale von IKEA. Darauf wohl fühlen würden sich bestimmt die Zimmerpflanzen von feey – dem Schweizer Pflanzen-Onlineshop. Ab und zu ein Besuch in der Brocki (z.B. Brocki Grischun in Chur) lohnt sich übrigens ebenfalls ... weil alles Einzelstücke, weisst du. #unique und so. So wird auch «dein» Billy-Regal zum Unikat.